Participles

Das Englische kennt zwei Partizipien: das Present Participle (Verb + -ing) und das Past Participle (Partizip II). Beide werden als Bestandteil von Zeiten, als Adjektive und in Partizipialsätzen verwendet.

1. Die zwei Partizipien

Form Bildung Beispiele
Present Participle Verb + -ing running, eating, speaking, having
Past Participle regelmäßig: Verb + -ed worked, finished, called
unregelmäßig: eigene Form broken, written, gone, taken, spoken

Past Participle und Simple Past

Bei regelmäßigen Verben sind Simple Past und Past Participle gleich — worked. Bei unregelmäßigen Verben unterscheiden sie sich oft: Simple Past went, Past Participle gone. Diese Formen müssen einzeln gelernt werden.

2. Present Participle — Verwendung

In Progressive-Zeiten

Das Present Participle bildet zusammen mit einer Form von to be alle Progressive-Zeiten.

She is running. — Present Progressive

He was eating when I called. — Past Progressive

They have been waiting for an hour. — Present Perfect Progressive

Als Adjektiv vor dem Nomen

Beispiel

a running dog — the falling leaves — a boring film — an interesting book

Als Adjektiv nach einem Verbindungsverb

Beispiel

The situation is worrying. — The film was exciting. — The news sounds interesting.

Im Partizipialsatz — gleichzeitige Handlung

Ein Partizipialsatz mit dem Present Participle drückt eine Handlung aus, die gleichzeitig mit der Haupthandlung stattfindet. Subjekt des Partizipialsatzes und des Hauptsatzes müssen identisch sein.

Running down the stairs, she fell. — (= While she was running down the stairs, she fell.)

Not knowing what to do, he called her. — (= Because he did not know what to do, he called her.)

Sitting by the window, she watched the rain. — (= While she was sitting by the window, she watched the rain.)

Gleiches Subjekt — wichtige Regel

Der Partizipialsatz und der Hauptsatz müssen dasselbe Subjekt haben. Andernfalls entsteht ein sogenannter „dangling participle“ — ein häufiger Fehler.

Walking down the street, the rain started. ✗ — Der Regen lief nicht die Straße entlang.

Walking down the street, she got caught in the rain.

3. Past Participle — Verwendung

In Perfect-Zeiten

Das Past Participle bildet zusammen mit einer Form von have alle Perfect-Zeiten.

She has finished her work. — Present Perfect

They had gone before we arrived. — Past Perfect

He will have written the report by Monday. — Future Perfect

Im Passiv

Das Past Participle bildet zusammen mit einer Form von to be das Passiv.

The window was broken. — Simple Past Passive

It is written in the instructions. — Present Simple Passive

The letter has been sent. — Present Perfect Passive

Als Adjektiv vor dem Nomen

Beispiel

a broken window — the written exam — a tired child — a used car — cooked vegetables

Als Adjektiv nach einem Verbindungsverb

Beispiel

I am tired. — She was surprised. — He felt exhausted. — They seem disappointed.

Im Partizipialsatz — passivische Bedeutung

Ein Partizipialsatz mit dem Past Participle hat eine passivische Bedeutung — das Subjekt des Satzes ist von der Handlung des Partizips betroffen.

Written in 1850, the novel is still popular today. — (= Although it was written in 1850, …)

Shocked by the news, she sat down immediately. — (= Because she was shocked by the news, …)

Built on a hill, the castle is visible from miles away. — (= Because it was built on a hill, …)

4. Present Participle vs. Past Participle als Adjektiv

Viele Adjektive gibt es in zwei Formen — einer auf -ing (Present Participle) und einer auf -ed (Past Participle). Die Bedeutung unterscheidet sich grundlegend.

Regel:-ing beschreibt die Wirkung, die etwas auf andere hat — die Ursache – -ed beschreibt das Gefühl oder den Zustand einer Person — die Wirkung

-ing (Ursache/Wirkung auf andere) -ed (Gefühl der betroffenen Person)
a boring film — der Film ist langweilig a bored child — das Kind ist gelangweilt
an exciting match — das Spiel ist aufregend an excited fan — der Fan ist aufgeregt
an interesting documentary — doku ist interessant an interested student — Schüler ist interessiert
a surprising result — das Ergebnis ist überraschend a surprised look — ein überraschter Blick
a tiring journey — die Reise ist ermüdend a tired traveller — ein müder Reisender
a confusing explanation — die Erklärung verwirrt a confused student — ein verwirrter Schüler
an annoying habit — die Gewohnheit nervt an annoyed customer — ein verärgerte Kunde
a frightening experience — das Erlebnis erschreckt a frightened child — ein erschrockenes Kind
a disappointing result — das Ergebnis enttäuscht a disappointed team — ein enttäuschtes Team

The film was boring — der Film war langweilig (hat die Zuschauer gelangweilt).

The children were bored — die Kinder waren gelangweilt (von etwas, das auf sie gewirkt hat).

Frage: Wer hat die Wirkung auf wen?
Etwas ist -ing → es bewirkt ein Gefühl bei anderen.
Jemand ist -ed → er oder sie empfindet dieses Gefühl.

5. Typische Fehler

Häufige Fehler

✗ Falsch The film was bored. — Ein Film kann keine Langeweile empfinden; er verursacht sie.

✓ Richtig The film was boring.

✗ Falsch She felt boring at the party. — Sie selbst empfindet ein Gefühl, also -ed.

✓ Richtig She felt bored at the party.

✗ Falsch It was an interested documentary. — Das Dokumentarfilm weckt Interesse, er empfindet es nicht.

✓ Richtig It was an interesting documentary.

✗ Falsch Walking down the street, the rain started suddenly. — Partizipialsatz und Hauptsatz müssen dasselbe Subjekt haben.

✓ Richtig Walking down the street, she was surprised by the sudden rain.

6. Deutsch-Englisch: Der entscheidende Unterschied

Im Deutschen gibt es ebenfalls Partizipien, aber der Unterschied zwischen Partizip I (-end: langweilend) und Partizip II (gelangweilt) deckt sich nicht immer mit dem Englischen. Der -ing/-ed-Unterschied bei Gefühlsadjektiven ist eine der häufigsten Fehlerquellen für deutschsprachige Lernende.

Deutsch vs. Englisch: Partizipien als Adjektive

Im Deutschen sagt man „der Film ist langweilig“ — das Adjektiv „langweilig“ entspricht dem englischen boring. Aber „ich bin gelangweilt“ entspricht I am bored, nicht I am boring.

Der Satz I am boring bedeutet auf Deutsch: „Ich bin eine langweilige Person“ — also dass ich auf andere langweilig wirke. Das ist selten das, was gemeint ist.

Auf Adjektive wie interesting, exciting, surprising, frightening — die alle auf Englisch auf -ing enden — folgt im Deutschen oft „-lich“ oder „-end“: interessant, aufregend, überraschend, erschreckend. Die Entsprechungen sind selten direkt übersetzbar; deshalb müssen die -ing/-ed-Paare aktiv gelernt werden.

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